Kritik der Mainpost vom 28. April 2017

Tribut an Whitney Houston: Hoher Anspruch, pure Freude

Zweieinhalb Stunden voller hinreißender, packender Musik erlebte das Publikum in der kaum zur Hälfte gefüllten Lohrer Stadthalle bei dem Tribute-Konzert „Whitney – One Moment in Time“ mit der überwältigenden Sängerin Nya King und ihrem glänzenden Team.

Das wohl treffendste Kompliment zwischen dem Jubel und dem langen stehenden Beifall war ein schlichtes „Dankeschön!“, mit dem ein Besucher seine Begeisterung ausdrückte. In der Tat kamen nicht nur Whitney-Houston-Fans auf ihre Kosten, denn das Programm war mit Gesang, faszinierenden Tanzeinlagen und der Begleitung durch eine Spitzenband für alle Musikfreunde ein Galadiner für Augen und Ohren.

Natürlich stand die temperamentvolle, hochtalentierte Nya King bei der Hommage an die verstorbene Whitney im Mittelpunkt der Show. Vom fulminanten Start, über die Kultsongs wie „Step By Step“ bis zum Schlussakkord mit „I Wanna Dance With Somebody“ hatte sie ihr Publikum absolut im Griff.

Dabei präsentierte Nya King in keiner Phase eine platte Kopie der Pop-Größe, vielmehr setzte sie bei aller sichtbaren und hörbaren Verehrung eigene Akzente und überzeugte durch die innere Begeisterung, die sowohl ihr Team als auch die Gäste mitriss.

Powerfrau

Meist zeigte sie sich als dynamische Powerfrau, fesselte aber auch mit ihrer fabelhaften Stimme bei zarten, besinnlichen Stücken. „I Will Always Love You“ aus dem Film „Bodyguard“. „One Moment In Time“ ging unter die Haut, da wurde es mucksmäuschenstill im Saal. Viel zu früh ließ der frenetische Beifall diese Stimmung verfliegen.

Doch King war nicht ganz der einzige Star auf der Bühne. Denita Lawan Asberry konnte ihr durchaus mehr als „nur das Wasser reichen“. Ob im Duett mit Nya oder in Solobeiträgen setzte sie mit ihrer umwerfenden Stimme eigene Glanzlichter – vielleicht ist sie bald in einem Aretha-Franklin-Konzert zu hören. Auch Martin Holtgreve präsentierte sich nicht nur als Background-Sänger, sondern zeigte gemeinsam mit King höchste gesangliche Qualitäten. An die vor wenigen Tagen aus dem Team verstorbene Sängerin Jules Matberg erinnerte eine rote Rose am leeren Mikrofonständer.

Überzeugen konnte auch Nya Kings Band: der brillante Saxophonist Herbie Hart, am Schlagzeug der großartige Drummer Stefan Neufeld, am Keyboard der Music-Director Sascha Hünermund, am Bass Florian Werner und als Gitarrist Simon Kemptner, der die Sängerin virtuos begleitete. Einen Genuss fürs Auge boten die vier Tänzer Anderson Pinheiro Da Silva, Kai Immanuel Alonzo Braitwaite sowie Ramona Helder und Fiona Kiara.
Bei aller Professionalität der Show mit gekonnten Lichteffekten, dem unverzichtbaren künstlichen Nebel und geschickt eingesetzten Computeranimationen überzeugte in dem Tributkonzert die natürliche Begeisterung der Crew.

Mit Herz

Die innere Anteilnahme stand nicht nur dem Star Nya King während der 150-minütigen Show ins Gesicht geschrieben, es waren während des Programms immer wieder kleine Gesten, Blicke oder gar Umarmungen zu beobachten, die nicht nur die offensichtliche Verehrung von Whitney Houstons Werk, sondern auch die Verbundenheit, eine oft vermisste Herzlichkeit der Musiker untereinander zeigten.

Dem Team um Till Nau, dem Regisseur und Choreografen ist eine hervorragende Verbindung von hohem Anspruch und purer Freude an der Musik gelungen. Eine Freude, die von Beginn an überspringen musste und bis zum atemberaubenden Finale anhielt. Kurz mit den Worten des Besuchers gesagt: „Dankeschön“.


Kritik der Nordwest Zeitung vom 18. April 2017

Mitreißender Tribut an die große Whitney
Nya King stand in der Rolle der Whitney Houston im Mittelpunkt. Sie glänzte inmitten ihres Ensembles mit einer umwerfenden Stimme

Nordenham 2012 verstarb Whitney Houston 48-jährig. Das Ensemble von Reset Production erweckte ihre Musik am Ostersonnabend in der Stadthalle Friedeburg mit einer überzeugenden und überaus komplexen Bühnenshow wieder zum Leben.

Im Zentrum des Abends stand Nya King, die in Simbabwe geborene und in London lebende Sängerin, der es mühelos gelang, die unglaubliche Stimmgewalt Whitney Houstons mit einer fantastischen Bühnenpräsenz zu verbinden. Ob als balladensingende Diva oder als tanzende und inspirierende Disco-Queen – sie war der Stern des Abends, um den alle anderen kreisten, war die Seele des Programms, die das Publikum ansprach. Nya Kings wunderschöne Stimme betörte mit den zartesten Tönen, um sich nur kurze Zeit später äußerst fetzig in unfassbare Höhen aufzuschwingen.
Stürmischer Applaus

Ohne Umwege verwandelten Nya King und ihrer Mitakteure die eher nüchterne Stadthalle in einen glamourösen Konzertsaal. Sie vereinnahmten die Sinne des Publikums und veranlassten es wieder und wieder zu stürmischem Applaus. Bis schließlich fast alle 200 Gäste bei den letzten beiden Liedern standen, tanzten und mitsangen.

Die über 150 Minuten lange Show war so kurzweilig, dass nicht wenige Gäste am Ende erstaunt auf ihre Uhren blickten. Klar, dass es eine lange Schlange gab, als sich die Darsteller zur Autogrammstunde darboten.

Basis einer so erfolgreichen Show ist – neben dem Star – die Band. Sie war rund um die Bühne aufgestellt. Links als erster Herbie H. Hart, der mehrfach Szenenapplaus für seine ausgezeichneten Saxofonsoli erhielt und das zweite Keyboard bediente. An den Drums sorgte Stan Neufeld für den richtigen Groove, bestens unterstützt vom E-Bassisten Fabian Werner. Auf der rechten Bühnenseite stand Gitarrist Sebastian Jung neben Jonas Kampe, dem Haupt-Keyboarder und muskalischen Direktor des Abends, der eine komplexe Aufgabe zu bewältigen hatte.

Viele Stücke Whitney Houstons sind mehrstimmig, Duettpartner und Chor werden also dringend benötigt. Für diese Aufgaben standen Nya King drei exzellente Gesangspartner zur Seite: Denita Lawan Asberry, Jules Matberg und Martin Holtgreve. Überzeugend übernahmen sie die Gesangsparts von Mariah Carey, George Michael und anderen ehemaligen Partnern Whitney Houstons. Einfühlsam und gekonnt füllten sie den Background.

Bei den vielen fetzigen und tanzbaren Titeln der großen Sängerin bereicherten vier Tänzer das Bühnengeschehen, die mit ihren mitunter akrobatischen Einlagen großen Eindruck machten: Ramona Helder, Fiona Kiara, Anderson Piheiro da Silva und Kai Immanuel Alonzo Braithwaite.

Neben einer professionellen Lichtshow gehörten auch drei Gitter zur Ausstattung, auf die Hintergrundbilder oder Fotos projiziert wurden – zum Beispiel, um an George Michael und vor allem an die echte Whitney oder an den Film „Bodyguard zu erinnern. Bei all dem Aufwand boten sich ständig neue optische Reize, die die Wirkung der Musik nur verstärkten. Staunen und genießen

Das gesamte Programm war bis ins Detail sorgfältig durchgeplant und choreographiert. Ständig wechselten Sänger und Tänzer ihre Kostüme, um zu den Songs passende Rollen einzunehmen. Für das reibungslose Gelingen dieser planerischen Herkulesaufgabe war Till Nau als Choreograph und Regisseur verantwortlich.

Das Publikum staunte, genoss und ging immer mehr mit. Insgesamt wurden 32 Songs vom Gospel über Whitney Houstons diverse Hits bis zu den großartigen Filmmusik-Klassikern dargeboten, mitunter als Mini-Medleys im Zweierpack, meist aber in großem Stil. Von „I’m every woman“ und „I wanna dance with somebody“ bis hin zu „One moment in time“ und dem „Bodyguard“-Hit „I Will always love you“ reichte der Tribut eines großartigen Ensembles an eine großartige und leider viel zu früh verstorbene Sängerin.


Kritik der Osnabrücker Zeitung vom 06. Februar 2017

*Überragende Nya King-
Perfekte Tribute-Show für Whitney Houston in Lingen*

Lingen. Am Ende hielt es niemanden mehr auf den Stühlen beim Whitney Houston Tribute Concert im Lingener Theater an der Wilhelmshöhe. Die begeisterten Zuschauer erlebten eine packende und perfekte Show, wie man sie wohl kaum zu erwarten vermochte.

*Zu häufig gehen Tribute-Shows deutlich nach hinten, kommen sie nicht über eine fade Kopie hinaus, zuweilen nicht einmal das. Hier aber sollte es anders sein.
Umwerfende Qualität aller Akteure*

Angefangen mit der umwerfenden Qualität aller Akteure vor allem der berauschenden Sängerin Nya King. Stimmlich überragend und einnehmend als sympathische Erscheinung auf der Bühne, erkennbar voller Verehrung für Whitney, deren Lebens- und Schaffensweg sie überaus liebevoll nachzeichnet. Unglaublich, welche Energie sie verbreitet und welche Liebe auch zu ihren Mitstreitern.
Stilsichere Band

Und auch die sind nicht ohne. Da ist zunächst, als feste Basis die souverän stilsichere und perfekt spielende Band mit fünf exzellenten Musikern. Da ist ein Chor aus drei hervorragenden Sängern, die auch solistisch sehr vorteilhaft immer wieder hervortreten.

Da sind vier betörende Tänzer, die in ausgefeilten lebendigen Choreografien das Bühnengeschehen zu einem genüsslichen Erlebnis werden lassen – das alles vor einer aufwendigen 80er Jahre Kulisse. Die Stimmung auf der Bühne versprüht neben aller Professionalität eine ansteckende Herzlichkeit.

Unsterbliche Songs

Da sind natürlich die doch so unsterblichen Songs der Pop-Legende Whitney die, mal anrührend ruhig, mal ausgelassen im mitreißenden Disco-Sound nichts als gute Laune verbreiten. Dabei spannt Nya King an dem Abend ein langes Band von Whitneys musikalischen Anfängen im Gospel bis zu ihren letzten Songs – natürlich nicht ohne die großen Hits. Und da ist wieder der Unterschied zu anderen Tribute-Shows: hier haben diese Songs ihre ursprüngliche und ergreifende Größe. Gern singt Nya King immer wieder im Duett mit einzelnen Sängern ihres kleinen Chores.

Tief unter die Haut ging beispielsweise „I Look to You“ (2009), das ohne große Bühnenshow und sehr nachdenklich Fotos aus Whitneys Leben im Hintergrund zeigte. Man erinnert hier Whitneys schicksalhaften Drogentod. „One Moment in Time“ (1988) gab es in Kleinbesetzung zunächst nur mit einer Gitarre begleitet.
Gänsehaut

Den eigentlichen Song aber, dem hier jeder Zuhörer entgegenfieberte, inszenierte die Crew so spannend und bewegend, dass er die berühmte Gänsehaut zu erzeugen vermochte. „Jetzt kommt’s“ raunte es leise durch das gespannte Publikum. Es war „I Will Always Love You“ (1992). Die wunderbare Nya King überbot sich hier ein weiteres Mal schon durch ihre beglückende Ausstrahlung. Herrlich!

Bei Nummern wie „Step by Step“ (1997) setzte es dann ungebremste gute Laune. Der Abend, ein Fest, die Show ein musikalisch beglückendes Erlebnis, das sich manch einer bewahren wird.


Auszug aus der Kritik der Musicalzentrale vom 11. August 2016

Das Revival von “Ludwig²” – für viele Fans ein wahr gewordener Traum. Ermöglicht wurde er durch das – laut Veranstalterangaben – wohl erfolgreichste Crowdfunding der europäischen Theatergeschichte. Für knapp 30 Vorstellungen kehrt das Musical rund um den bayrischen „Märchenkönig“, dessen Leben und mysteriöser Tod alles andere als märchenhaft waren, zurück an den Ort seiner Erstaufführung. Inhaltlich beschäftigt sich das Stück mit der Diskrepanz zwischen Ludwigs träumerischen Wesen, seinen künstlerischen Neigungen und den Anforderungen seiner Lebenswirklichkeit, die durch Krieg, Machtkämpfe und politische Sachzwänge geprägt ist. Dabei integriert der Autor eine bis heute nicht nachgewiesene Verschwörungstheorie in die Handlung, die im Tod Ludwigs als Folge eines Auftragsmords kulminiert.
Was die Choreographien von Till Nau und Stefanie Gröning (Co-Choreographie) angeht, bleibt besonders der grazile Tanz des weißen Schwans (Stefanie Gröning) im See in Erinnerung oder auch die heitere Choreographie bei der wunderbar pointiert gespielten Ensemble-Nummer “König Technik”.
Trotz aller Schwächen, ist “Ludwig²” die Reise nach Füssen wert. Schon alleine die traumhafte Location am Fuße des Forggensees mit Blick auf Neuschwanstein und das Wissen, dass sich an eben dieser Stelle Teile der hier erzählten Geschichte tatsächlich zugetragen haben, üben ihren ganz eigenen Reiz aus. Und die Gänsehaut-Momente gepaart mit der teils exzellenten Besetzung lassen über so einige Unstimmigkeiten hinwegsehen.


Kritik der Südwest Presse vom 07. März 2016

Bee-Gees-Musical “Massachusetts”: 1500 Fans im Disco-Fieber

Große Welthits, große Stimmen: The Italian Bee Gees und zwei Star-Gäste lassen die Gibb-Brüder in der Ratiopharm-Arena wieder aufleben – das wollten sich 1500 Fans nicht entgehen lassen.
“Stayin’ Alive” sangen die Bee Gees einst. Und sie leben weiter, die drei Brüder Gibb. Ihre Welthits sind unvergessen. Noch immer reißt “Spicks and Specks” wie jetzt in der Ratiopharm-Arena Neu-Ulm das Publikum von den Sitzen. Mit 260 Millionen verkauften Tonträgern schrieben sie vier Jahrzehnte lang Popgeschichte, standen als “erfolgreichste Familienband der Welt” im Guinnessbuch. Einzigartig, von hohem Wiedererkennungswert ist ihr ohrgängiger Sound: dreistimmiger Harmoniegesang in Falsett-Technik mit Disco-Beats.
Das biografische Musical “Massachusetts” lässt die Karriere, Hits, Höhen und Tiefen der Kultband in Fotos, Platten-Covers, Interviews und Videoeinspielungen auf der Bühnenleinwand lebendig werden. Und durch die einzige Truppe, die mit dem “Segen” ihrer Vorbilder als The Italian Bee Gees auftreten: Walter, Davide und Pasquale Egiziano. Täuschend echt bis ins Detail verkörpern die drei Brüder aus Kalabrien die Gibbs. Super, wie sie den Falsett-Gesang draufhaben. Seit 2000 touren die gut aussehenden Italo-Boys weltweit als Wiedergänger.
Riesig war der neue Spaß mit alten Hits. Sie waren es, die 1500 Fans hereinströmen und aus sich herausgehen ließen. Die Arena tanzte drei Stunden im “Saturday Night Fever” – nicht nur auf der Bühne ging es ab. Bejubelt wurden “Nights on Broadway”, “Lonely Days”, “Juliet” und mit geschwenkten Armen und Feuerzeugen die Ballade “Words”. Das Trio, das auch im Akustik-Medley zur Gitarre überzeugte, entfachte samt Band und Backgroundsängerinnen ein Feuerwerk aus gut zwei Dutzend Evergreens. Sonderapplaus galt zwei mitwirkenden Star-Gästen: Keyboarder Blue Weaver und Schlagzeuger Dennis Bryon, in den 70ern Jahren Mitglieder der originalen Bee-Gees-Band.
Eine tragende Rolle in der geschickt inszenierten Musical-Zeitreise, deren Handlungsstrang sich um vier schauspielernde Petticoat-Tänzerinnen und eine Lovestory mit einem Tänzer dreht, hat Schauspieler Björn Geske (auch Buch). Als schrullig-amüsanter Bee-Gees-Zeitgenosse spinnt er den roten Faden. Einziger Wermutstropfen: Der Musicalclub des Theaters an der Donau hatte seinen Auftritt in “Night Fever” abgesagt. Ansonsten blieben bei The Italian Bee Gees nach dem Zugaben-Showdown mit “Massachusetts” keine Wünsche offen.


// Flashdance das Musical

Die Kritik der Frankfurter Neuen Presse vom 04. Juli 2015

Flashdance als Bühnenproduktion/ Emanzipiertes Aschenputtel

Mit dem Musical Flashdance ging die vorletzte Premiere dieser Burgfestspiel-Saison als temperamentvolle Tanz-Show über die Bühne. Den Kult-Film der 1980er-Jahre inszenierte Christian H. Voss als rührendes, vor Klischees nicht zurückschreckendes Aufsteiger-Märchen mit Faible für die Magie und den Schmerz in der Karriere professioneller Tänzerinnen.
Bad Vilbel.
Heiß war es auch so schon in der Burg, überall wedelten die Fächer. Um „Schweiß und Träume“ ging es auch in dem Musical nach dem 1983er-Kultfilm von Adrian Lyne. Die Story ist schnell erzählt und eigentlich kaum mehr als der Aufhänger für eine ganze Reihe ausgefeilter Choreografien, die Till Nau effektvoll umsetzte.

Alex (Julia Waldmayer) ist Schweißerin in einem Stahlwerk von Pittsburgh, doch ihr Traum ist der Tanz. Abends arbeitet sie in einer Tanzbar. Ihr neuer Chef Nick (Tim Al-Windawe) hat ein Auge auf sie geworfen, versucht aber auch, ein fürsorglicher Boss zu sein. Doch Alex will es selbst schaffen. Als Nick doch nachhilft, kommt es zum Streit, doch am Ende gelingt es Alex, sich durchzusetzen an der Tanzakademie.
Diese Handlung liefert den roten Faden für eine Show-Revue. Das Bühnenbild ist spartanisch, aber passend: eine Reihe von Stahltüren, hinter denen sich nur Abgänge öffnen – und einmal der Blick auf Alex’ Zimmer, das mit einem Holzbett als Sofa nur symbolisch angedeutet wird – so wie drei rote Barhocker die Spielfläche der Barbesucher markieren, die mit Bierflaschen flachsend den erotischen Showtänzen in Harrys (Theodor Reichardt) Club zuschauen. Links auf der Bühne steht ein überdimensionierter Schminkspiegel.

Die Inszenierung sucht erst gar nicht nach der tieferen Bedeutung der Geschichte, sondern zerlegt sie spielerisch in Momente großer Gefühle, Action und ironisch überhöhten Klischees. Neben den Choreografien sind es die Kostüme, die erzählen und dabei im Retro-Look der Nostalgie schwelgen.

Burschikose Hauptfigur

C.C. (Raphael Koeb), der halbseidene Eigner des Konkurrenzclubs Chamäleon, taucht wie ein Zuhälter auf, in roter Lederjacke, dunkler Brille und mit Fuchsschwanz in der Hosentasche. Die Show-Girls sind der eigentliche Mittelpunkt der Inszenierung, mal in Schwarz mit Netzstrümpfen, mal als rosa Bonbon, platinblond und stets im Takt – Revue der sinnlichen Dynamik.

Doch es gibt noch eine zweite, besinnliche Ebene, die Beziehung von Alex und Nick. Julia Waldmayer ist der glänzende Star der Aufführung, wirkt burschikos und selbstbewusst. Vollends zieht sie das Publikum in den Bann mit ihrem Solo am Schluss beim Vortanzen vor der strengen Akademie-Jury.

Pirouetten, Drehfiguren, ein gewagter Salto, damit wird sie zum Publikumsliebling, was sich auch am Schluss-Applaus zeigt. Doch auch ihr Partner Tim Al-Windawe heimst Aufmerksamkeit ein als Manager mit Liebeskummer, der in einem gefühlvollen Solo singt: „Sag’ mir, was ich machen soll.“

Die Songs sind es, die die Erinnerung an das Stück wachhalten und vom früheren Werbefilmer Lyne im Film hochästhetisch umgesetzt wurden. Das gelingt auf der Bühne nur in Maßen. Immerhin: „I Love Rock’n’Roll“ kommt als kraftvolle Tanznummer daher, der Mega-Hit „What a Feeling“ prägt das dynamische Finale. Und „Maniac“ endet, wie im Film, mit einem Regenguss.

Die ins Deutsche übersetzten Lieder flachen dagegen ab, wirken manchmal entwaffnend romantisch. Es gibt nämlich noch eine zweite, kleine Liebesgeschichte, die vom jungen Jimmy (Marcel Kaiser) und der Tänzerin Gloria (Janice Rudelsberger). Die beiden wollen den Erfolg auf eigene Faust in der Fremde suchen – und kehren gescheitert, aber neu verliebt, zurück. Und Gloria singt: „Ich bin auch nicht heilig, das ist wahr/aber ich bin das Beste, was dir geschah.“

Träume und Realität

Eindrucksvoll war auch Barbara Goldman als gebrechliche, aber mit unbändiger Leidenschaft beseelten Mentorin von Alex. Was denn Tanz eigentlich bedeute, fragt Alex sie. „Schmerz!“, kommt es zurück. Die Entbehrungen und Mühsal, die naiven Träume und die harte Realität – das will die Bad Vilbeler Inszenierung alles sichtbar machen – bis hin zu Entlassungen, Revierkämpfen in den Clubs und der johlenden Männermeute in der Bar.

Doch am Ende sind es die rasanten Choreografien bis hin zu einer hart getakteten Breakdance-Nummer, die in Erinnerung bleiben. Zwei, drei mitreißende Songs – und eine Aschenputtel-Romanze der etwas emanzipierten Art.


// Flashdance das Musical

Auszug aus der Kritik der FAZ vom 06. Juli 2015

Kleine ALex, großer Traum

…Umso mehr liegt es an den famosen 20 Sänger-Darstellern, die das Freilichtfestival aufbietet, dass „Flashdance“ gut zweieinhalb Stunden lang das Publikum mitgehen lässt. Julia Waldmayer mit dunkler Lockenperücke ist eine resolute, fast herbe Alex, deren Kondition bewundernswert ist: Fast ununterbrochen nicht nur zu singen, sondern auch weit über dem üblichen Musicalniveau zu tanzen, wie es die Tanzgeschichte erfordert, ist eine bravouröse Leistung.

Choreograph Till Nau bleibt nicht nur nah am Film, er holt auf der mehrstöckigen Bühne (Oliver Kostecka) das Maximum aus den Tanzszenen, die ja, wir sind schließlich live, ohne Tricks auskommen. Das vergnügungswillige Publikum kommt auf seine Kosten. Und, ja: Nicht nur die Szene mit der Wasserdusche gibt es, auch die mit dem BH. Natürlich zieht Alex den aus einem Sweatshirt. Grau, kastig, ohne Kragen. Wir sind schließlich in den Achtzigern. Riesiger Beifall.


// Der Zauberer von Oz

Auszug aus der Kritik der Frankfurter Neuen Presse vom 25. Mai 2015

Zauberhafte Traumrevue

Als lebensfrohe Unterhaltungsrevue erwecken die Burgfestspiele den Klassiker „Der Zauberer von Oz“ zu neuem Leben. Auf der Bühne jagt ein Hit, eine Choreographie die nächste und die Charaktere entdecken ungeahnte Kräfte…

…Doch auch das Ensemble kommt stark zum Zuge, denn die Inszenierung lebt vor allem durch schwungvolle, quer durch die musikalischen Genres mäanderne Choreographien (Till Nau) und musikalische Kompositionen (Jan Radermacher). Mit dem Mut zu schlichten, aber ergreifenden Ohrwürmern wie „Nirgends ist’s schöner als daheim“, großen Konzert-Gesten wie der Big-Band-Nummer „Ein Löwe muss tapfer sein“, Dorothys Pop-Ballade vom Abschied und dem fröhlichen Bluegrass-Countrymusik-Finale zurück auf der Farm ist das Musical auch eine Tournee durch die musikalische Welt der Gefühle.

// I do I do

Auszug aus der Kritik der Wilhelmshavener Zeitung vom 16. September 2013

“ … Till Nau hat dieses Auf und Ab im gut bespielbaren Bühnenbild von Cornelia Brey augenzwinkernd und mit psychologischem Fingerspitzengefühl in Szene gesetzt.” … “ … es sind vielmehr die kleinen und überraschenden – manchmal auch musikalischen – Gesten, die die Glaubhaftigkeit der Figuren und den Reiz der Inszenierung ausmachen.” … “ … Benno Schulz gibt dem Chauvinisten klares Profil. Bei ihm sitzt jede Geste, jede Pointe; Sarah Horak, gesanglich topp und mit zunehmendem Alter emanzipierter, ist ihm ebenbürtig. Kommt hinzu, dass die (Klavier)-Musik (Musikalische Leitung: Udo Becker) auf treffliche Weise und nie süßlich die Handlung stützt – mal persiflierend, mal untermalend.” … “ Man geht bestimmt nicht Fehl zu behaupten, dass „I do! I do!“ nicht Naus letzte Inszenierung an der Landesbühne war und Schulz und Horak auch künftig bei Musicalbesetzungen 1. Wahl sind.”


// Blues Brothers

Auszug aus der Kritik der Wilhelmshavener Zeitung vom 18. November 2013

Till Naus Choreographien sind pfiffig und gut auf die Musik abgestimmt. Fazit: Eine schlüssige und tolle Revue mit ungebremstem Tempo. Das Publikum klatschte oft den Rhythmus mit, applaudierte zum Schluss fast 20 Minuten, teils im Stehen, und forderte vier Zugaben, bevor es von Benno Schulz verabschiedet wurde.”


// Aida das Musical

Auszug aus der Kritik der Pforzheimer Zeitung vom 29. Juni 2012

Die Choreographie von Till Nau erzeugte mit dem kleinen Ensemble schwungvolle Einlagen, und das Background-Orchester unter der bewährten Leitung von Jürgen Voigt entfaltete süffigen, packenden Sound, von dem das Publikum sich willig mitreißen ließ.


// Im weissen Rössl

Auszug aus der Kritik der Stuttgarter Zeitung vom 20. September 2010

In manchen Ensemble-Choreographien von Till Nau spürt man, wie viel in der Vorlage noch steckt, wenn man es wagt das Material nur einen Tick weiterzudrehen- beispielsweise in jenem herrlichen Regenschirmtanz der für einige Minuten die Theaterwelt schier auf den Kopf stellt.